Dr. Klaus Heer

St. Galler Nachrichten vom 7. Februar 2017
Stacks Image 93543

«Wir feiern den Tag der Liebesverlegenheit»

Am 14. Februar ist Valentinstag. Doch was feiern wir eigentlich am «Tag der Liebe» und wieso ist es fast unmöglich, an diesem Tag etwas richtig zu machen? Die Antworten hat der Paartherapeut Dr. Klaus Heer im Interview.

INTERVIEW: RAMONA KOLLER
Valentinstag: Dr. Klaus Heer ist Paartherapeut und kennt sich daher mit Fragen rund um Beziehungen und die Liebe aus. Aus seiner Sicht gibt es nur einen Weg, den «Tag der Liebe», der 14. Februar, als Paar unbeschadet zu überstehen.

Dr. Klaus Heer, was feiern wir eigentlich am Valentinstag?
Wenn ich das bloss wüsste (lacht). Das ist wohl einer dieser Feiertage, die wir vor einigen Jahren aus Amerika importiert haben. Eigentlich wäre es ja ein Tag für die Liebe. Wir feiern aber eher die «Liebesverlegenheit.»

Wie darf man das verstehen?
Der Valentinstag ist wie der Ausbruch einer Krankheit mit höchst romantischen Symptomen. Bei vielen Paaren herrscht das ganz Jahr über ein «Romantikdefizit.» Die Paare wollen dann oft am 14. Februar die Romantik, welche die restlichen 364 Tage im Jahr fehlt, nachholen.

Und das macht verlegen?
Ja. Denn für viele stellt sich die Frage, ob man überhaupt etwas schenken soll. Genau aus diesem Grund, weil sie sich dann als Heuchler fühlen. Denn eigentlich kann man dem Partner an einem x-beliebigen Tag ein Geschenk machen, dafür braucht es keinen Valentinstag. Entscheidet man sich dafür, dem Geliebten/der Geliebten etwas zu schenken, kommt ebenfalls eine Verlegenheit auf. Man will ja schliesslich nicht zu viel und nicht zu wenig oder das Falsche schenken. Der Mensch ist ja gern ein Kleinkrämer in Sachen Liebe. Doch die Liebe will nur schenken – ohne zu rechnen.

Ist in diesem Fall nichts schenken die beste Alternative?
Nein. Denn wenn wir (besonders die Frauen) danach gefragt werden, was uns unser Schatz denn Schönes geboten hat, werden wir womöglich wütend, wenn die Anderen im Gegensatz zu uns etwas geschenkt oder mehr Aufmerksamkeit als sonst bekommen haben.

Das klingt, als könne man an diesem Tag nichts richtig machen. Wie betreibt man Schadensbegrenzung?
Eine Formel, die Erfolg garantiert, gibt es natürlich nicht. Ich empfehle aber, den Partner am Sonntag vor dem «grossen Tag» auf einen kleinen Spaziergang einzuladen. Dort kann man dann die Erwartungen oder auch Ängste offenlegen und sehen, ob der Partner vielleicht genau so fühlt.

Gibt es viele Paare, die nach dem 14. Februar Ihre Hilfe in Anspruch nehmen?
Nicht mehr als sonst. Falls es am Valentinstag so richtig kracht, stimmt wohl auch sonst einiges in der Beziehung nicht. Denn wenn die Partner nicht glücklich sind, kann auch ein herbeigezwungener «Tag der Liebe und Romantik» nichts mehr retten. Die Paare, die nach dem Valentinstag bei mir in Beratung sind, nehmen bereits zuvor meine Dienste in Anspruch. Diese Paare merken unter dem Jahr, dass etwas nicht mehr passt.

Sie selbst feiern den Valentinstag also nicht?
Um Himmelswillen nein! (lacht) Mir reicht Weihnachten als «Fest der Liebe» vollauf.
Dr. Klaus Heer: Psychologe – Paartherapeut – Autor  © 2017