Dr. Klaus Heer

20minuten vom 7. Oktober 2019
Stacks Image 88380

«Unrasiert könnte ich nicht mit ihr schlafen»

Ein Grossteil der Schweizer erwartet, dass der Sexpartner rasiert ist. Experten erklären, woher der Trend kommt und was ihn gefährlich macht.

VON JULIA ULLRICH
Die grosse Sex-Umfrage von 20 Minuten zeigt, dass 73 Prozent der Schweizer erwarten, dass ihr Sexualpartner mindestens teilweise rasiert ist. Mehrere Leser erklären, warum sie sich selbst zwischen den Beinen rasieren und worauf sie bei ihrer Partnerwahl achten.

«Ich beherrsche die Intimrasur perfekt. Ich kann es mir gar nicht vorstellen, mit meiner Partnerin zu schlafen, wenn sie nicht rasiert ist», sagt Leser David. Für ihn fühle sich rasierte Haut viel hygienischer und sauberer an. Ähnlich hält es Leserin Mia: «Ich bin immer rasiert respektive gewaxt. Egal ob ich ein Date oder einen Partner habe.» Sie rasiere sich für sich selbst und weil sie das Gefühl der Haarlosigkeit im Intimbereich möge.

Bei Männern ist Intimbehaarung eher akzeptiert

Andere nennen neben dem Sauberkeitsaspekt auch den Oralverkehr als Grund für die Vollrasur: «Ich empfinde Haare als unschön und wenn ich dann welche im Mund habe oder sie gar zwischen den Zähnen eingeklemmt sind, ist das super eklig», sagt Adrian. Wieder andere heben die «magische» Wirkung der Rasur hervor. Laut einigen Lesern wirkt der Penis nach der Rasur um einige Zentimeter grösser. Das sei ein netter Nebeneffekt.

Während Männer eher klare Vorstellungen haben, wie das Gegenüber im Intimbereich auszusehen hat, sind Frauen toleranter. «Selber enthaare ich mich minutiös. Von meinem Partner erwarte ich, dass er sich auch etwas pflegt. Blank ist aber kein Muss», findet Leserin Leila. Auch andere setzen beim männlichen Geschlecht keine Vollrasur voraus. Ein Mann müsse behaart sein, das sei doch männlicher, heisst es etwa.

«Körpereigener Geruch ist unbeliebt»

Doch warum rasieren sich Männer und Frauen im Schritt und setzen das auch bei ihrem Sexpartner voraus? Laut Sexualpädagogin Elisabeth Keller-Nussbaumer hängt es in erster Linie mit der Ästhetik zusammen: «Es ist wie mit der Haarentfernung an den Beinen - die Intimrasur hat sich mittlerweile in unserer Gesellschaft verankert. Auf die Behaarung reagieren viele Menschen mit Ekel, während eine glatte Rasur als schön gilt.» Sexologe Klaus Heer sagt, dass die intime Sauberkeit heute strikt gekoppelt mit einer sauberen Rasur sei. Dabei sei die Empfindlichkeitsgrenze vor allem beim Oralsex sehr hoch. «Körpereigener Geruch ist unbeliebt, besonders wenn die Sexorgane in einem Haarbusch stecken. Schamhaare im Mund mag man auch nicht.»

Doch die Glattrasur hat nicht nur Vorteile: Laut Keller-Nussbaumer können durch die Rasur Entzündungen entstehen, welche auch eitern könnten. Zudem könnte Juckreiz auftreten. «Auch werden bei einer einer weiblichen Vollrasur ‹Unregelmässigkeiten› bei den Genitalien sichtbar- wie beispielsweise grosse Schamlippen», erklärt die Sexualpädagogin. Dies habe zur Folge, dass sich immer mehr Menschen unters Messer legen. Die Rede ist von einem kosmetischen Eingriff, bei dem sich Frauen operativ die Schamlippen korrigieren lassen. «Das fände ich persönlich sehr traurig, da dieser Eingriff sinnlos und mit Risiken verbunden ist», so Keller-Nussbaumer. Wie lange der Trend noch bestehen bleibe, sei nicht voraussagbar. Heer wagt eine Prognose: «Ich kann mir vorstellen, dass es wieder mal kippt und man es geil findet, der Natur freien Lauf zu lassen.»
Dr. Klaus Heer: Psychologe – Paartherapeut – Autor  © 2019