Dr. Klaus Heer

Blick.ch vom 28. März 2012
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«Lover-Duell zwischen Kathy Perry und Russell Brand»

BERN - Kashya und Philipp Hildebrand sind ein typisches Power-Paar. Doch wie wirkten sich die letzten Tage rund um die Devisenaffäre auf deren Ehe aus? Paartherapeut Klaus Heer antwortet.
Klaus Heer, ist es für den Ablöseprozess wichtig, dass man schnell einen neuen Partner hat?
Die wenigsten Leute sind gern allein. Single sein gilt als suboptimal. Wenn die ärgste Enttäuschung verwunden ist, startet man die Suche nach neuem Glück.

Warum stresst es viele so, wenn der Ex schneller einen neuen Partner hat als man selbst?
Der Trennungsprozessläuft selten synchron. Der eine setzt sich meist schneller ab als der andere. Wer sich noch verbunden fühlt, leidet natürlich Qualen, wenn der Partner bereits wieder anderswo andockt.
 
Hat es mit Rache zu tun, wenn man den Neuen auf diese Weise präsentiert?
Diese Medienpräsenz gehört zum Spiel, und das ist wirkungsvolle Werbung für die eigene Marke. Rache mag vielleicht mitspielen, aber das zeigt man nicht. Es wäre unsexy.
 
Kann man sich überhaupt so schnell wieder verlieben?
Nichts einfacher als das! Und nichts ist entzückender als sich zu verlieben. Sobald man seine Antennen ausfährt, kann man fündig werden.

Ist der Druck nach einer Trennung einen Neuen zu finden vielleicht sogar noch grösser, wenn man in der Öffentlichkeit steht?
Als Promi hat man wohl andere Sorgen als einen Neuen zu suchen. Die Leute laufen einem nach. Promi ist man ja, weil man bisher immer erfolgreich mit dem eigenen Branding beschäftigt war.
 
Ist es normal, dass man nach einer Trennung vergleicht, ob sein Neuer attraktiver ist, als der neue Partner vom Ex?
Es ist gängig, dass nicht die Liebe, sondern der Marktwert des Partners im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Die Liebe zum BMW unterschiedet sich nicht wirklich von der Liebe zur neuen Frau. Höchstens dass man mit dem BMW nicht richtig schlafen kann. 
 
Nehmen die meisten einen Partner, der ganz anders ist als der Ex? Oder gerade einen, der ähnlich ist?
Häufig stellt sich mit der Zeit heraus, dass die Aehnlichkeiten der Ex-Partner offenbar grösser sind, als man zu Beginn vermutete oder wahrhaben wollte. In Wirklichkeit nimmt man sich selbst und seine eigenen Unzulänglichkeiten von einer Beziehung zur nächsten mit. Wenn man aus seinen Beziehungsgeschichten nichts lernt, muss man sie wiederholen.
Dr. Klaus Heer: Psychologe – Paartherapeut – Autor  © 2017