Dr. Klaus Heer

20minuten vom 6. August 2015
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«Star-Status und Liebe sind nicht kompatibel»

In diesem Sommer sind die Medien voller Trennungsschlagzeilen. Was ist nur los mit den Promis? Ein Paartherapeut gibt Auskunft.

VON JULIA PANKNIN
In den People-Redaktionen dieser Welt spürt man derzeit wenig vom Sommerloch. So wie die Hitze Anfang Juli über uns hereinbrach, hagelte es plötzlich eine Trennungsmeldung nach der anderen. Am Mittwoch verkündeten zu allem Übel auch noch Miss Piggy und Kermit der Frosch ihr Liebesaus. Doch der Reihe nach.

Den Startschuss gaben am 1. Juli Ben Affleck und Jennifer Garner. Es folgten Kourtney Kardashian und Scott Disick, Lena Gercke und Sami Khedira, Fiona Hefti und Christian Wolfensberger sowie Bachelorette Frieda Hodel und ihr Christian.

Seit Anfang dieser Woche überschlugen sich die Ereignisse dann: Erst Gwen Stefani und Gavin Rossdale, Sylvie Meis und Maurice «Momo» Mobetie, Zayn Malik und Perrie Edwards und wie bereits erwäht auch noch Kermit und Miss Piggy! Ein wahrer Trennungs-Tsunami also. Brennt der Hitzesommer den Promis etwa die Liebessicherungen raus?

«Soll das jetzt alles gewesen sein?»

Klaus Heer, Paartherapeut und Sachbuchautor aus Bern, verneint. Trennungen hätten nichts mit dem Wetter zu tun, «Beziehungsdebakel sind gleichmässig übers Jahr verteilt», sagt er. Paare würden sich trennen, «wenn bei einem von beiden das Fass überläuft.» So etwa geschehen bei den prominenten Langzeit-Ehepaaren?

Sowohl Affleck, Disick, Rossdale als auch Hefti wurden nach der Trennung Affären nachgesagt. Sie alle sind im mittleren Alter – zwischen 35 und 49 – waren über Jahre mit ihren Partnern verheiratet und haben Kinder mit ihnen. Schlug hier ganz einfach die böse Midlife-Crisis zu? «Rund um 40 stellen sich tatsächlich viele Leute drängende Fragen wie: ‹Soll das jetzt alles gewesen sein?› ‹Will ich so enden wie meine Eltern?›», weiss Heer.

Zwei unvereinbare Anliegen

Der häufigste Grund für Trennungen sei aktuell, dass Paare nicht mehr bereit seien, Beziehungskriege oder gewohnheitsmässige Gleichgültigkeit in den heimischen vier Wänden auszuhalten. «Heute sind viele Menschen mutiger als früher, das Verblühen ihrer Zweisamkeit wahrzunehmen, und es nicht noch für Jahre und Jahrzehnte mit sich zu schleppen», so der Profi.

Bei Promi-Paaren komme ausserdem noch ein weiterer schwieriger Punkt hinzu, sagt er: «Niemand kann seinen Star-Status aufrechterhalten und gleichzeitig seine zweisame Liebe pflegen. Die beiden Anliegen sind nicht kompatibel.» Vor allem, wenn die Gefühle zu Marketingzwecken ausgenutzt werden: «Meist wird die Liebe als Teil der PR-Aktion eingesetzt. Unbedingt im Gespräch bleiben, heisst die Devise. Egal wie», sagt Heer.

Bleibt zu hoffen, dass auch die offizielle Trennung von Kermit und Miss Piggy nur ein PR-Gag ist. Sinn würde es machen: Im Herbst starten die neuen «Muppets»-Episoden auf ABC.
Dr. Klaus Heer: Psychologe – Paartherapeut – Autor  © 2017