Dr. Klaus Heer

Blick.ch vom 22. September 2016
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«Das Brangelina-Ende war keine Überraschung»

Paartherapeut Klaus Heer (72) zum Liebes-Aus.

INTERVIEW: SERAINA ETTER
Brangelina sind Geschichte. Wie nahe geht Ihnen das?
Klaus Heer: Es hat mich wirklich getroffen. Das Ende war für mich aber keine grosse Überraschung.

Dennoch: Diese Trennung scheint mehr zu bewegen als andere.
Klar. Es ist eine Art optische Täuschung: Alles rund um Brangelina schien perfekt, unverwundbar, zwölf Jahre lang. Dann dieser weltweite Seufzer: Wenn diese beiden Schönen und Superprivilegierten scheitern – wie sollen wir Normalos es schaffen?

Woran ist die Ehe gescheitert?
An Überforderung. Niemand kann Glanz und Glamour auf Weltniveau pushen – und gleichzeitig zu Hause Beziehung und Familie gedeihen lassen.

Wie sehr leiden nun die Kinder?
Sie leiden allemal. Vermutlich je kleiner sie sind, desto mehr. Auch erwachsene Kinder sind meist schwer betroffen vom elterlichen Liebesdesaster. Das Dilemma zeigt sich hier in aller Härte: Wer eine Scheidung aus Rücksicht auf die Kinder vermeidet oder hinauszögert, belastet sie möglicherweise noch mehr.
Wie bringt man Kindern eine solche Schocknachricht am besten bei?
Eine der wenigen wichtigen Grundregeln: Die Eltern sollten die Kids gemeinsam informieren, anlässlich einer Familienkonferenz. Das macht deutlich, dass die beiden die Tatsache ernst nehmen: Unsere Elternschaft bleibt unsere gemeinsame Aufgabe. Eltern sind untrennbar.

Wie soll die Scheidung bestenfalls ablaufen, damit niemand unnötig emotional belastet wird?
Der Stress verführt zum Rosenkrieg, der hier wohl bereits angelaufen ist. Eine psychologische Fachperson könnte mithelfen, damit die beiden ihren Frust nicht in den Scheidungskrieg investieren. Sie sollten ihr Scheidungselend aber nicht verharmlosen und schönreden vor der Presse.
Dr. Klaus Heer: Psychologe – Paartherapeut – Autor  © 2017