Dr. Klaus Heer

Rahel, 43 Jahre alt: «Spielerisch, zärtlich, witzig böse»


RAHEL M.-K. ist 43 Jahre alt, von Beruf Übersetzerin,
seit 25 Jahren liiert und seit 20 Jahren verheiratet mit
Reto, 43 Jahre, Anwalt; eine Tochter, 19 Jahre, und zwei Söhne, 15 und 13 Jahre alt. Ihre Grösse: 167 Zentimeter,
ihr Gewicht: 56 Kilogramm.
Hobbys: Kochen, Marcel Proust, intime Freundschaften.
Was für Sex machen Sie im Moment mit Reto?
Im Gegensatz zu früher gibt’s heute viele Varianten. Den Schnellsex zum Beispiel: Wenn er aus der Dusche kommt, sieht er gut aus, und der Schwanz, der tropft, gefällt mir, und die Haare rund um den Schwanz sind so schön nass, wissen Sie. Und die Hoden raufgezogen – das finde ich so irrsinnig. Und der Schwanz, der da hängt ... Ich weiss genau, wie der anzufassen ist, warm und weich und frisch gewaschen, und er riecht gut, und ich bin ganz zärtlich. Ich nehme ihn in den Mund. Reto schaut auf mich herunter, und ich sehe, wie ihm das passt. Ich spüre im Mund, wie sich der Schwanz vom weichen zum harten wandelt und steif wird und hart und dick. Dieses Anschwellen ist wahnsinnig schön. Und Reto streckt mir den so schamlos entgegen, einfach nur um ihn steif machen zu lassen. *Lacht*. Und nach ein paar Minuten sage ich: »So, fertig!« und schon ist er weg, und ich gehe auch an die Arbeit. Ab und zu schlecke ich ihn auch, bis er kommt. Oder manchmal, wenn wir etwas mehr Zeit haben, sagt er: »Ou! Jetzt möchte ich dich aber noch schnell vögeln!« Und dann machen wir’s rasch im Badezimmer.

Dann stellt er Sie an die Wand oder wie?
Ja, oder hievt mich aufs Lavabo oder legt mich auf die Kommode. Ich selbst bin von mir aus nicht unsäglich erregt. Ich geniesse vielmehr, ihn genau zu erleben. Für mich geht’s zu schnell – und trotzdem finde ich es irrsinnig. Der Reiz liegt im überfallartigen Sex und im Wissen, in zehn Minuten sind wir beide an der Arbeit. Mit geschwollenen Schamlippen und gereizter Klitoris vor dem Bildschirm – das ist wunderbar! Die ganze Unterleibsgegend ist angeregt und warm, ich bin ganz zentriert auf da unten. Und das Wissen, er geht auch in diesem Zustand ins Büro, mit seiner Seidenkrawatte, während zehn Minuten vorher noch was ganz anderes los war!

Was gibt’s sonst noch für Varianten?
Am Mittag sage ich ihm vielleicht: »Komm doch noch schnell ins Bett!«

In Ihr Bett?
Also, wir sind zum Beispiel im Wohnzimmer. Er liest Zeitung, und ich gehe zu ihm hin, schaue ihn an. Wenn sich Lust regt bei mir, denke ich vielleicht: »Jetzt hätten wir doch noch eine Dreiviertelstunde Zeit.« Wenn er dann nicht recht will, ist das nicht ganz einfach für mich. Manchmal bettle ich sogar ein wenig: »Ja komm doch ...!« Ein andermal kann ich’s auch einstecken, dass er nicht einsteigt. Seit einiger Zeit trifft mich das nicht mehr so zentral: Er hat einfach keine Lust und nichts weiter.
Es kommt auch vor, dass ich ihm sage: »Komm, wir schlüpfen etwas zueinander, es ist so kalt!« Einfach etwas nebeneinanderliegen, nackt sein und warm haben, das ist schön. Auch wenn ich in mieser Stimmung bin oder traurig, dann sage ich etwa: »Ich brauche dich, kommst du?«

Es ist also nicht so, dass Sie immer automatisch mit Sex rechnen müssen, wenn Sie ihn um Zärtlichkeit bitten?
Nein, gar nicht. Ich kann ihm klar sagen: »Nur ein wenig kuscheln, ganz nah beieinander!« Dann bekomme ich das auch. Wenn er mehr will, kann ich mich jederzeit erfolgreich wehren. Reto hat viel Übung im Einstecken. *Lacht*

Was passiert dann im Bett?
Manchmal ist klar, dass beide Lust auf Sex haben. Meistens gehen wir in Retos Zimmer, ziehen uns schnell aus und schlüpfen zueinander. Manchmal dreht er mich zack auf den Rücken, besteigt mich und schläft mit mir.

Sie mögen das – in fünf Sekunden von null auf hundert? Sie brauchen kein »Vorspiel«?
Uuh, nein! Nein danke! Wenn er das macht – das ist schrecklich! Zuerst an den Brüsten herumfingern, dann geht’s laut Programm langsam abwärts ... Uuh! Lieber ganz oder gar nicht! Und wenn er in mir steckt, sage ich ihm etwa: »Ich will nicht, dass du mich irgendwohin bringst, mich bearbeitest auf ein Ziel hin!« Der soll jetzt einfach auf mir rumrammeln.

Soll er denn zu Ihrem oder seinem Vergnügen auf Ihnen rumrammeln?
Zu meinem! Ich brauche das manchmal. Damit ich weiss, wo ich bin. *Lacht*. Jahrelang merkte ich gar nicht, dass ich scharf bin. Ich stellte bloss fest: Ich wurde gehässig und übelgelaunt. Und über meine Gehässigkeit merkte ich, dass ich wieder mal gevögelt werden wollte. Jetzt weiss ich das vorher und will, dass er mich einfach braucht. Und ich bin ganz weich, und ich muss gar nichts und spüre genau, was er macht mit mir. Es kann sein, dass wir zuerst kurz und heftig vögeln, und dann rutschen wir oben etwas auseinander – unten steckt er immer noch in mir –, oben liegt er dann also auf meiner Herzseite, die andere Seite funktioniert nicht. Wir schauen einander in die Augen und fangen an, uns zu streicheln.
Dr. Klaus Heer: Psychologe – Paartherapeut – Autor  © 2017